Alexa-Hurka-Sängerin-07

Bin ich immer noch ein Bühnenkind?

Was ne Frage. Einmal Bühnenkind, immer Bühnenkind, oder?

Ehrlichkeitshalber… ich kann das gerade gar nicht mehr so einfach beantworten.

Erste Situation. Mein Freund, mit der Frage: Alexa, möchtest du nicht wieder auf die Bühne? Ich hatte ihm das Abschluss-Album der Stage Factory e.V. gezeigt… mit den vielen Menschen drin, die sich bei mir verabschiedet haben. Die mir viel Glück für meinen damals neuen Weg gewünscht haben.

Zur Info: Ich hab die Stage Factory aufgebaut, bevor sie überhaupt ein Verein wurde. Als künstlerische Leitung. Unser aller erstes Stück, das ich gespielt habe, als ich noch nicht selbst inszeniert habe: Biss zur Unsterblichkeit. Meine letzte Produktion war, Alice, allein im Wald, da waren wir schon ein Verein, in Groß-Gerau.

Hand aufs Herz… viele Menschen, die auch heute noch an meiner Seite sind, echte Herzensmenschen, haben mich sehr geprägt. Andere… ehrlichkeitshalber, hi hi… sind mir tierisch auf den S… gegangen. Warum? Na ja. In der ach so schillernden Bühnenwelt hast du’s nicht nur mit Herzensmenschen zu tun, sondern auch mit einer ganzen Menge Egomanen. Männlich wie weiblich, das sei erwähnt.

Ein Teil der Gruppe hat mich immer Cast-Mami genannt. Yawp. Wie treffend. Nur eine, die vielleicht ab und zu weniger als ihr letztes Hemd hätte geben sollen.

Aber zurück zur Frage von meinem Freund. Und damit auch zu seiner zweiten Frage, ein paar Wochen später:

Was brauchst du, um wieder singen zu können?

Uff. Das saß. Mir stiegen die Tränen in die Augen. Und er sah mich an, aus seinen braunen Augen, und schwieg.

Andere Location. Ich sitze mit einer wundervollen Kollegin im Café Klatsch in Oberursel. Wir reden. Ich erzähl ihr von Pitch your Personality und Protect your Personality. Sie erzählt mir, dass sie auch gerne singt. Und dann, plötzlich, ihre Frage:

Möchtest du irgendwann wieder singen?

Uff. Nächster Schlag in die Magengrube. Auch das saß. Aber warum?

Ich war schon immer ein Bühnenkind. Kleines Engelchen, das mit vier Jahren von der Bühne fiel, erste Hauptrolle. Ich hatte davor Fieber. Typisch Alexa, irgendwie. Dann Hochzeitssängerin. Dann Musicalausbildung. Dann klassische Gesangsausbildung. Dann erste Ehe. Jaaa, ich mach hier einen Punkt. Denkt euch den Rest 😉

Immer und immer wieder hat sich in meinem Leben das Singen, die Bühnentätigkeit ihren Weg gesucht. Wirklich immer. Ich habe tolle Auftritte in meiner Vita, großartige Gesangslehrer und -lehrerinnen.

Bis ich nicht mehr singen wollte. Das passierte immer dann, wenn mein Autopilot, siehe Kann Persönlichkeit eigentlich verloren gehen”?,nicht mehr funktionierte.

Bis ich nicht mehr singen konnte.

Dafür gibt’s einen Fachbegriff. Man stellt jemandem eine Frage, und derjenige verstummt. Du möchtest antworten, aber du kannst es nicht. Du möchtest singen, aber du kannst es nicht. Google mal Dissoziative Sprechblockade. Beim Sprechen hab ich das manchmal. Beim Singen, gerade, komplett.

Was diese beiden Menschen verbindet: Meine Kollegin hat mich vor zwei Jahren als Kaiserin Elisabeth anmoderiert, als Sängerin. Mein Freund hat mich auf YouTube singen gehört und mein Erinnerungsbuch der Stagies gesehen. Beide haben also nicht nur die Coachin, und die Strategin, gesehen. Sondern auch die Bühnenfrau.

Also, zurück zur Frage: Bin ich noch ein Bühnenkind?

Ja. Ich denke schon. Werde ich wieder als Kaiserin Elisabeth “Ich gehör nur mir” singen, auf Koreanisch und Deutsch, diesmal fürs koreanische Konsulat in Frankfurt, in meiner neuen Heimat und nicht in München. Auf einer anderen großen Bühne? Ja. Ich denke schon.

Was es dafür braucht? Eine Erkenntnis, die mir die Fragen dieser beiden Menschen in der Aufarbeitung gegeben haben. Singen darf mir Spaß machen. Es darf aufhören, eine Überlebens Methode zu sein.

Ich hab oft gesungen, um mich zu spüren. Weil ich mich, je nachdem wer gerade in meinem näheren Umfeld war, oft nicht gespürt habe. Bringen wir’s auf den Punkt: in Gegenwart von hoch manipulativen Menschen, die Freude daran haben, dich zu zerstören und klein zu machen. Der strategische Umgang damit… geht auf: Kann man Manipulation sehen?

Oh, und glaubt mir, ich konnte immer singen. Bis. Na ja, das hab ich schon gesagt. Aber auch nach meinen Fehlgeburten. Nach dem Tod meines Opas. Und so weiter, konnte ich immer singen.

Was ist jetzt also anders? Ich komme zurück zu der Antwort, die ich meiner Kollegin und meinem Freund gegeben habe.

Was brauchst du zum Sprechen? Die Stimme, ja. Die Atmung, ja. Den Körper. Was brauchst du zum Singen?

Alles. Einfach alles. Dein ganzes Sein, dein Körper, dein Geist, deine Seele, dich im Ganzen. Plus Technik.

Merkst du den Unterschied? Und die bewusste Entscheidung, es tun zu wollen.

Früher wollte ich es aus Spaß. Aus Zwang. Aus der Methode, mich selbst zu spüren und in einer anderen Welt zu verschwinden.

Heute sag ich: Nein. Nicht so. Ich hab Zeit. Ich darf heilen. Und meine Stimme darf selbst entscheiden, wann sie es für richtig hält, zurückzukommen.

Wisst ihr, was das Witzigste an der ganzen Sache ist? Vor ein paar Jahren, als ich schon mal nah dran war, meine Stimme zu verlieren, war ich bei einer großartigen Gesang Mentorin von mir, Fawn Arnold. Gerne googeln. Wir hatten ein Wochenende geplant, und die Quintessenz damals war, weil es mir schon schwer fiel zu singen: Alexa, wer oder was 😉 hält dich vom Singen ab? Wer oder was sitzt in deinem Kopf? Wer oder was 😉 zieht dir diese Energie? Wo bist du?

Wo bist du? Gute Frage, oder?

Fawn kennt mich als Macherin. Als Sängerin, nicht perfekt, aber mit einzigartigem Bühnenauftritt. Ich als Evita Perón, wer’s kennt, Gott, dieses Playback hat einen ewigen Vorlauf, bis ich anfange zu singen. In Bad Schwalbach, zu Ehren meiner anderen Gesangslehrerin, die mich geprägt hat: Romana Vaccaro. Die leider nicht mehr unter uns ist. Allein, auf großer Bühne. Ich, mit 1,57 Metern. Jaaa. Groß.

Und man hörte im Saal eine Stecknadel fallen.

Diese Person kannte Fawn. Also: Wo war sie?

Werde ich sie wiedersehen? Werdet ihr sie wiedersehen? Was denkt ihr?

Ich bin ein Bühnenkind. Ich war es. Und ich werde es auch immer sein.

Und wenn du, ja du, gedacht hast, es wäre dir gelungen, mir mein Leuchten zu nehmen: Es tut mir leid, ich muss dich enttäuschen. Deine Bemühungen waren nicht umsonst 😉 Sie haben mich zu meiner Quintessenz zurückgebracht. Und wir wissen beide, DAS war nicht dein Ziel, oder?

Meine Stimme nimmt sich nur ein Reset.

Du dagegen wirst von meinem Stimmgedächtnis einfach vergessen.